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Grenzen setzen: wie schaffe ich es?

Grenzen setzen wie? Jetzt klar und selbstverständlich!

Scham und Schuld

Scham und Schuld - das sind nur zwei Emotionen, die uns klein machen. Sie entstehen meist in der Kindheit. Wenn unsere Eltern oder andere Menschen uns signalisieren: "Du bist falsch". Das kann ganz subtil sein oder auch sehr offensichtlich.

 

Vielleicht haben wir als kleines Kind viele Fragen, die unsere Mama nie beantwortet, sondern immer nur wegwischt. "Jetzt nicht!". Vielleicht schieben uns unsere Eltern weg, weil sie nicht wollen, dass wir ihren Streit mit ansehen. Sie belügen uns und wir denken, mit unserem Gefühl stimmt etwas nicht, denn als Kinder wissen wir intuitiv: "Hier passt meine Wahrnehmung nicht mit der Realität zusammen".

 

Vielleicht sind Mutter und Vater auch einfach die meiste Zeit abwesend - körperlich oder auch emotional. Wir wachsen bei den Großeltern auf und keiner ahnt, wie sehr wir uns nach der Zuwendung unserer Eltern sehnen. Gewalt und sexuelle Übergriffe sind die größte Grenzüberschreitung, der wir als Kind ausgesetzt sein können. Grenzen setzen wie soll das so noch gehen?

Psychische Störungen entwickeln sich

Wir möchten in unserer lebendigen, intuitiven und magischen Welt leben. Aber diese Welt wird nicht gesehen, nicht gewollt oder sogar mit Füßen getreten. Irgendwann beginnen wir, uns unsichtbar zu machen mit all unseren Bedürfnissen, mit unseren Ideen, mit unserer Phantasie, mit unseren fantastischen Geschichten. Wir treten aus unserer eigenen Grenze heraus und stehen neben uns. Im schlimmsten Fall entwickeln wir psychische Störungen, wie z. B.:

  • Depersonalisation
  • Derealisation
  • Anorexie
  • Bulimie
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Zwangsstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen

Gefühl der Wertlosigkeit

Viele dysfunktionale Muster können entstehen, wenn wir als Kinder mit unseren Bedürfnissen nicht gesehen und gehört werden. Irgendwann empfinden wir es als selbstverständlich, dass andere Menschen unsere Grenzen übertreten. Wir sind ja eh außerhalb. Wieder und wieder bekommen wir die Bestätigung dessen, was wir von uns denken: "Ich bin es nicht wert, mit MEINEN Bedürfnissen geachtet zu werden".

Psychosomatische Beschwerden

Wir nehmen das klaglos hin und beginnen stattdessen über körperliche Beschwerden zu klagen: Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Magenschmerzen usw. Das Leben läuft uns aus dem Ruder. Wir sind nicht Herr*in in unserem eigenen Haus.

Psychische Erschöpfung und Aggression

In diesem Zustand kommen häufig Klient*innen in meine Praxis. Sie haben den roten Faden in ihrem Leben verloren. Fühlen sich fremdbestimmt, angreifbar, durchlässig und geschwächt. Sie können ihre Bedürfnisse nicht erkennen und schon gar nicht benennen. Sie sind Spielball ihrer Mitmenschen und nicht selten kurz vor der totalen Erschöpfung.

 

Oder sie reagieren immer aggressiver auf die andauernden Grenzüberschreitungen ohne genauer benennen zu können, was eigentlich ihr Problem ist. Sie sind außer sich. Sie überschreiten vielleicht sogar selbst schon zu stark die Grenzen ihrer eigenen Kinder.

Meine Grenze - mein Reich

Wo ist meine Grenze?

Wenn Menschen in diesem Zustand in meine Praxis kommen, ist definitiv Grenzarbeit gefragt! Gern arbeite ich mit einem langen Seil. Die Klient*in darf mit dem Seil ihre eigene Grenze einmal um sich herum legen - ganz praktisch. Ich lasse sie spüren, wie eng oder weit die Grenze liegen soll, was sich gut und richtig anfühlt.

 

Und dann führe ich sie im wahrsten Wortsinn an ihre Grenze. Ich umkreise sie, trete in ihre Grenze ein, schubse sie aus ihrer Grenze raus und so weiter. Die allermeisten Menschen, die in diesem Zustand zu mir kommen, lassen das mit sich machen. Manche gehen sogar sofort von allein aus ihrer Grenze heraus, um mir, dem Eindringling, Platz zu machen.


Warum übertreten Menschen immer wieder meine Grenze?

Ich habe meist leichtes Spiel und ich stehe stellvertretend für die Menschen aus ihrem Alltag. Ich beschreibe dabei, wie ICH mich fühle, während ich in ihrer Grenze stehe. Es fühlt sich meist machtvoll an. Und das ist geil! "Ich kann mir von der nehmen, was ich will! Mega! So soll das bleiben - das gefällt mir".

 

Und meine Klient*innen? Die sind irritiert, wie ich da so mit meinem "Macht ist geil" in ihrer Grenze rumtrample.  Und sie nehmen es meist hin. Machen sich klein. Fragen sich: "Grenzen setzen - wie soll das jetzt bloß gehen?" Und dann nehmen sie noch mehr Abstand von ihrer eigenen Grenze.

Selbstbewusstsein erlangen - erste Begegnung mit meiner Verteidigungsministerin

Selbstbewusstsein durch sich-seiner-selbst-bewusst-sein

Im nächsten Schritt trete ich wieder aus der Grenze heraus. Ich bin schließlich die Therapeutin und nicht der Eindringling. Ich arbeite mit der Klient*in, die da hilflos außerhalb ihrer eigenen Grenze steht. Wir arbeiten mit allem, was da kommt. Manchmal ist es ein Mutter- oder Vater-Thema oder es geht z. B. um Mobbing- oder Missbrauchserfahrungen.

 

Was auch immer sich zeigt in dieser Situation der Grenzüberschreitung. Wir nehmen es und schauen es uns an. So kann der Klient*in bewusst werden, was gerade für ein Muster abläuft und ihr wird klar, dass nur SIE etwas verändern kann.

 

Die Menschen, die bisher plump über ihre Grenze getreten sind, werden das nicht von alleine sein lassen. Wir erinnern uns: "Macht ist geil!". Je bewusster sich die Klient*in über ihre innerpsychischen Prozesse wird, desto selbstbewusster wird sie.

Selbstbewusst Grenzen setzen

Die Klient*in tritt wieder in ihre eigene Grenze. Sie lernt ihre Grenze kennen. Ihr wird klar, dass sie die Herr*in in ihrem Reich ist. Dass sie bestimmt, wie weit oder eng die Grenze ist. Und dass ihre Grenze flexibel ist. Dich lasse ich rein. Dich nicht. Heute ist Tag der offenen Tür. Heute ist für alle geschlossen.

 

Sie kann Grenzposten postieren. Sie kann eine Verteidigungsminister*in benennen. Und sie kann sich selbst zur Regent*in im eigenen Reich benennen. Nun kann  sie Anweisungen zu ihrer Grenzsicherung geben. Hier etwas öffnen. Dort lieber unter höchster Wachsamkeit geschlossen halten. Hier etwas ausdehnen. Dort etwas zurückziehen. 


Ich bin die Herrscher*in über mein Reich - die Verteidigungsministerin handelt in meinem Sinne

Mut und Intuition

Die zukünftige Aufgabe ist nun, als Herrscher*in über ihr Reich, der Verteidigungsminister*in klare Ansagen zu machen. Dafür braucht es Mut und eine feine Intuition. Die König*in erspürt, wo Gefahr herrscht. Und wo Liebe strömt. Sie spürt ganz fein in sich hinein, um dann der Verteidigungsminister*in Anweisungen zu geben, wie sie die Grenze zu sichern hat. Hier ist oft viel Arbeit nötig. Wo sitzt denn meine Intuition? Wie meldet sie sich eigentlich? Gibt es die überhaupt?

 

Die gute Nachricht ist: Ja - jeder Mensch verfügt über eine fantastische Intuition! Da sie uns als Kind oftmals von unseren Eltern oder der Gesellschaft abgesprochen wurde, muss sie nun wiederentdeckt werden. Sie darf nachgenährt und liebevoll herausgekitzelt werden. Dabei begleite ich meine Klient*innen. Reinspüren, wahrnehmen, benennen. Ausdrücken. Danach handeln. Das geht nicht von heute auf morgen. Und es geht jeden Tag ein wenig besser, wenn wir uns damit beschäftigen und uns Zeit und Raum für die Entwicklung gönnen.

Grenzen setzen wie? Jetzt als klare und intuitive Persönlichkeit!

Je besser die Klient*in dann irgendwann ihre eigene Grenze kennengelernt hat, je sicherer sie als König*in ihr Reich regiert und je zuverlässiger die Verteidigungsminister*in ihre Arbeit verrichtet, desto flexibler kann sie im Einzelfall reagieren. Und je klarer und selbstverständlicher sie mit ihrer Grenze umgeht, desto mehr wird ihr Umfeld darauf reagieren. Dadurch, dass sie sich die Macht über ihr Reich zurück nimmt, wird sie auch von anderen Menschen wahrgenommen, wie sie wirklich ist. Eine klare, intuitive Persönlichkeit!

 

Vielleicht werden sich Menschen abwenden, die vorher wie selbstverständlich über ihre Grenze getreten sind und dies nun nicht mehr tun können. Ganz sicher werden nun mehr und mehr Menschen in ihr Leben treten, die respektvoll mit ihr umgehen und ihre Grenzen wahren.

 

Wenn Sie Lust bekommen haben, Regent*in in Ihrem eigenen Reich zu werden, dann begleite ich Sie sehr gern dabei! Vereinbaren Sie jetzt einen kostenlosen Kennlerntermin hier.

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Kommentare: 6
  • #1

    Sandra (Montag, 30 November 2020 13:46)

    Was für eine wertvolle Arbeit, liebe Dinah. Das jemand in meinem Bereich rumtrampelt hab ich sehr lang ertragen und ich durfte lernen meine Grenzen wieder zu spüren und auch zu verteidigen. Man kann es lernen und ich hoffe, dein Beitrag ermutigt Menschen sich dir anzuvertrauen und sich von dir begleiten zu lassen.

  • #2

    Felix (Montag, 30 November 2020 21:30)

    Dein ganzer Blog ist großartig. Dieser Artikel, erinnert mich an meine ersten Stunden bei dir, wo ich genau das lernen durfte, da ich vorher nie meine Grenzen verteidigt habe und für meine Bedürfnisse eingestanden habe. Es hat dazu beigetragen, mein Leben positiv zu verändern und mich stärker gemacht.

  • #3

    Claudia (Donnerstag, 03 Dezember 2020 22:46)

    Vielen Dank für diesen schönen Artikel liebe Dinah-Ann. Ich kann mir sehr gut vorstellen wie du mit Klienten arbeitest. Und wie gut ihnen das tut ihre Genzen kennenzulernen. Ich arbeite so ähnlich, besonders mit dem Seil arbeite ich auch und dazu noch kunsttherapeutisch. Liebe Grüße vom Rheinland an den Deich, Claudia, www.claudia-dedden.de

  • #4

    Dharamleen Kerstin Ostendorp (Dienstag, 22 Dezember 2020 13:19)

    So wichtig, klar zu sein, was Frau sich wünscht! Die Grenzen setzen und der eigenen Intuition vertrauen. Du leistest hier tolle Aufklärung und Inspiration.

  • #5

    Kathrin Sebo (Dienstag, 22 Dezember 2020 16:40)

    Liebe Dinah-Ann, dies ist solch ein wertvoller Beitrag. Grenzüberschreitung war lange, lange mein Thema, ohne dass ich dies im Entferntesten geahnt hätte. Nicht nur wurden meine Grenzen überschritten. Durch mein verlorenes Gefühl für Grenzen war ich auch oft genug diejenige, die Grenzen überschritten hat. Heute achte ich Grenzen. Meine und die meines Gegenübers. Dies ist voller Respekt und Wertschätzung. Toll, dass Du in diesem Bereich wirkst :-)

  • #6

    Katharina (Mittwoch, 23 Dezember 2020 12:33)

    Wie schön, dass Du Dich Deinen Menschen so liebevoll näherst. Sie Grenzen spüren lässt. In einem Rahmen, in dem eine Grenze als Berührung wahrgenommen werden darf. Danke für diesen Artikel. Alles Liebe