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Flugangst überwinden

Flugangst überwinden

Vor kurzem trat ich eine Flugreise an. Schon am Gate fiel mir eine junge Frau auf, die vollkommen nervös war und eine kleine Schnapsflasche in der Hand hielt, von der sie immer mal wieder nippte. Eine Mitreisende fragte sie, ob sie schon aufgeregt sei. Mir war sofort klar: Diese Frau durchlebte gerade ihren persönlichen Alptraum. Sie hatte Flugangst.

 

Als wir in das Flugzeug eingestiegen waren, stellte ich fest, dass eben diese Frau genau auf der anderen Seite des Ganges saß. Quasi direkt neben mir. Beim Start des Fluges ging es los. Ihre Atmung verschnellerte sich. Sie geriet nun vollends in Panik, wurde unruhig und zittrig. Die Angst war deutlich spürbar. Nicht nur für mich, sondern ganz sicher auch für ihre kleinen Kinder, die mit ihr reisten.

 

Ich sprach die Frau an und bot ihr meine Unterstützung an. Mithilfe von einfachen Techniken, die das Nervensystem beruhigen, begleitete ich die Frau durch ihren alptraumhaften, zweistündigen Flug.

Flugangst ist eine spezifische Phobie

Aber was genau ist eigentlich Flugangst? Die Flugangst ist eine spezifische Phobie und im Fachjargon nennt man sie Aviophobie. So, wie jedes psychische Unwohlsein, hat die Flugangst erst Krankheitswert, wenn sich die Betroffenen im Leben beeinträchtigt fühlen oder aber, wenn sich das Umfeld von der Störung beeinträchtigt fühlt.

 

Spezifische Phobien beschränken sich laut ICD-10 (International Classification of Deseases) auf eng umschriebene Situationen, wie Nähe von bestimmten Tieren, Höhen, Donner, Dunkelheit, Benutzung von Flugzeugen, geschlossene Räume, Urinieren auf öffentlichen Toiletten, Genuss bestimmter Speisen, Zahnarztbesuch oder z. B. Anblick von Blut und Verletzungen.

 

Einhergehend zeigt sich meist ein Vermeidungsverhalten, sowie starke Angstsymptome bis hin zu Panikattacken, wenn die Situation nicht vermieden werden kann. Symptome können dabei sein:

  • Herzklopfen
  • Schwächegefühl
  • Angst vor dem Sterben
  • Kontrollverlust
  • Gefühl, wahnsinnig zu werden
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Mundtrockenheit
  • Atembeschwerden
  • Beklemmungsgefühl
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Unsicherheit
  • Schwäche oder Benommenheit
  • Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle

Es ist leicht, sich vorzustellen, wie unangenehm es sein kann, sich all dieser Symptome in einem Flugzeug ausgesetzt zu fühlen. Solltest du von Flugangst betroffen sein, wirst Du Dich hier in vielen Punkten wiederfinden und Strategien entwickelt haben, diese Situation tunlichst zu vermeiden. 

Die Flugangst beginnt schon lange vor dem Abheben
Die Flugangst beginnt schon lange vor dem Abheben

Vermeidungsverhalten und Leidensdruck bei Flugangst

Wahrscheinlich bist Du sogar eine wahre Meister*in im Vermeiden beängstigender Situationen geworden. Und wahrscheinlich ist es auch nicht nur das Fliegen, das Dich in Panik versetzt. Oft kommt eine Phobie/Angst nicht allein daher, sondern bezieht sich auf mehrere verschiedene Lebensbereiche. So fühlst Du Dich durch Dein Vermeidungsverhalten auch immer eingeschränkter in Deinem gesamten Leben.

 

Bei manchen Menschen führt es sogar so weit, dass sie sich nicht mehr aus dem Haus trauen oder soziale Kontakte komplett vermeiden. Der Leidensdruck ist oftmals sehr hoch. Es gibt viele Menschen, die einen Karriereknick in Kauf nehmen, weil sie sich einfach nicht zutrauen, zu wichtigen Geschäftsterminen zu fliegen. Oder Familien zerbrechen aufgrund des starken Vermeidungsverhaltens eines Familienangehörigen.

Wochen vorher Aufregung und Schlafstörungen

Flugangst entsteht nicht erst in dem Moment, in dem Du auf Deinem Platz im Flieger sitzt und das Flugzeug auf die Startbahn rollt. Häufig gehen bereits Wochen vorher Deine Alarmlampen an. Dies kann sich durch Symptome, wie Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit oder Appetitlosigkeit, die Du vielleicht im ersten Moment gar nicht mit Deiner bevorstehenden Reise in Verbindung bringst, äußern.

 

Manchmal kommt es sogar vor Antritt der Reise zu körperlichen Symptomen und Erkrankungen. Dein System tut unbewusst alles dafür, um ja nicht diese Reise anzutreten. Eine stressige Zeit, die Dich noch urlaubsreifer werden lässt, als Du es vielleicht sowieso schon bist.

Woher kommt die Angst vorm Fliegen?

Die Gründe für eine Angst vorm Fliegen können vielfältig sein. Sehr häufig geht es um die tief sitzende Angst, die Kontrolle zu verlieren. Wer im Flugzeug sitzt, hat keine Kontrolle über das, was geschieht. Du musst Dich vertrauensvoll in die Hände der Pilot*in geben und darauf hoffen, dass das Wetter oder die Technik keinen Streich spielt, um sicher von A nach B zu kommen. Und genau darin liegt für viele das Problem.

 

Eine Angst vor Kontrollverlust entsteht häufig dann, wenn es in Deinem Leben einen oder mehrere Momente gab, in denen Du die Kontrolle verloren hast. Z. B. durch Trennung von den Eltern (das kann ein Krankenhausaufenthalt sein oder auch ein Todesfall), durch schwere Unfälle, wie z. B. einen Badeunfall als Kind. Es können sich aber auch Themen, wie Mobbing oder Gewalt in der Kindheit hinter spezifischen Phobien verbergen. Es ist unmöglich, hier alle Möglichkeiten für die Entstehung einer Angst vor Kontrollverlust aufzuzählen. Du bist absolut individuell und es lohnt sich, ganz genau hinzuschauen, aus welchem Grund sich Deine Flugangst entwickelt hat.

 

Es können auch schlechte Erfahrungen auf einem Flug (z. B. starke Turbulenzen, starke Übelkeit, Ohrenschmerzen) der Grund sein, dass Du eine Flugangst entwickelt hast und diese sich verselbstständigt und immer stärker wird.

 

Vielleicht waren auch Deine Eltern sehr ängstlich und Du hast diese starke Angst vorm Fliegen von ihnen übernommen. Kinder haben sehr feine Antennen und sind darauf angewiesen, sich auf die Reaktionen der Eltern zu verlassen, um zu überleben. D. h., wenn Deine Mutter auf einem Flug starke Angst gezeigt hat, ist für Dich als Kind ganz klar: Vor dem Fliegen MUSS man Angst haben. Fliegen ist gefährlich. Als Kind stellst Du das nicht in Frage. Du vertraust auf die Bewertung Deiner Eltern. Und so nimmt die erlernte Flugangst ihren Lauf und hält sich hartnäckig - oft sogar über Generationen hinweg.

Flugangst geht oft einher mit Vermeidungsverhalten
Flugangst geht oft einher mit Vermeidungsverhalten

Flugangst kommt selten allein

Wenn Du unter Flugangst leidest, kann es sein, dass Du zusätzlich auch unter anderen Ängsten leidest, die mit Angst vor Kontrollverlust einhergehen. Die "End-Angst", die hinter den meisten Angststörungen sitzt, ist die Angst, zu sterben. Egal, ob durch einen Flugzeugabsturz, einen Schlangenbiss oder durch einen Blitzschlag. Am Ende geht es oft um den Tod.

 

Wenn ich mit Dir an Deiner Angst arbeite, geht es also nie allein um EINE Angst, sondern um alle Ängste, die sich aufgrund eines mangelnden Vertrauens in das Leben bei Dir festgesetzt haben. Wir arbeiten daran, dass Du das Vertrauen ins Leben erlernst oder zurück gewinnst, damit Du insgesamt stabiler und vertrauensvoller durch Dein Leben gehen kannst. Wer vertrauensvoll, voller Hingabe und in großer Fülle im Hier und Jetzt lebt, braucht den Tod in aller Regel nicht fürchten, sondern akzeptiert ihn als natürlichen Teil dieses Lebens - vielleicht sogar als ganz natürlichen Übergang in ein nächstes Leben.

Was tun bei Flugangst?

Wenn ich mit Dir an Deiner Flugangst arbeite, geht es, wie oben beschrieben, darum, tiefenpsychologisch zu schauen, wo Deine Ängste ihren Ursprung haben. Wenn wir dabei ein Trauma entdecken, arbeiten wir daran, dieses Trauma aufzulösen und Dein angespanntes Nervensystem zu beruhigen.

 

Durch die Erfahrung des Kontrollverlustes, ist Dein Nervensystem in Habachtstellung. Es signalisiert während des Fluges: GEFAHR!!! Unser Gehirn reagiert bei Gefahr mit der Aktivierung unseres Stresssystems. Daraus resultieren die oben genannten Symptome, wie z. B. Herzrasen.

 

Dein Herz rast und Deine Atmung wird schneller, damit möglichst viel Sauerstoff in Dein Blut gelangt und Deine Muskeln sehr gut versorgt werden. Denn bei Gefahr sind zwei der drei möglichen Optionen: KAMPF oder FLUCHT. Dafür brauchst Du Kraft und alle verfügbaren Ressourcen, die Dein Körper aktivieren kann. Wenn Du in Deinem übererregten Nervensystem "gefangen" bist, ist es oft schwer, wieder zur Ruhe zu kommen.

 

Und genau das übe ich mit Dir. Unterstützend wende ich dabei verschiedenste Atem- und Entspannungstechniken an, die Dein Sicherheitssystem wieder aktivieren. Diese Methoden und Techniken vor der nächsten Reise zu erlernen und sicher zu beherrschen, kann ein großer Vorteil für Deine nächste Flugreise sein.

Alkohol und Drogen sind nicht die Lösung bei Flugangst

So, wie in dem obigen Beispiel beschrieben, versuchst vielleicht auch Du, Deine Flugangst mit Drogen oder Alkohol zu betäuben. Das ist keine gute Idee, denn bei diesen Substanzen handelt es sich um Gifte, die Deinem Körper zusetzen und Deinem Sicherheitssystem zusätzlich melden, dass Du Dich in Gefahr befindest. Insofern verstärken Drogen und Alkohol also eher die Angstsymptome, als dass sie sie mildern.

Unbehandelt verstärken sich Ängste in der Regel

Wichtig zu wissen ist, dass sich die allermeisten Ängste verselbstständigen und eher stärker werden, wenn man sie unbehandelt lässt. Es entsteht die berühmte Angst vor der Angst, die am Ende in die totale Lähmung und Isolation führen kann. Es entsteht häufig ein machtvoller, negativer Teufelskreis, aus dem auszusteigen immer schwieriger wird. Insofern empfehle ich Dir, bei Ängsten nicht zu lange darauf zu hoffen, dass sie sich von alleine verflüchtigen.

 

Du leidest unter Flugangst oder anderen Ängsten und hast Lust, die tiefer liegenden Gründe dafür herauszufinden? Dann freue ich mich darauf, wenn Du einen Termin zu einem Erstgespräch vereinbarst. Du schilderst mir dann in aller Ruhe Dein Anliegen und wir schauen, wie wir Dich gemeinsam in die Veränderung bringen können.

 

Bist Du bereit? Dann lass uns hinschauen!

 

Herzlich

 

Dinah

Ich wünsche Dir von Herzen eine entspannte Reise!
Ich wünsche Dir von Herzen eine entspannte Reise!

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Kommentare: 3
  • #1

    Ursula Brühwiler (Mittwoch, 05 Oktober 2022 07:59)

    Ein toller Blog-Beitrag, liebe Dinah-Ann
    Ich finde es wundervoll, dass du mit deiner Arbeit tief tauchst, um den möglichen Ursprung...im Beispiel Flugangst, zu ergründen und dann hilfst, aufzulösen und loszulassen. Grossartig.
    Die meisten "Probleme" liegen hinter dem eigentlichen Problem. Dort darf Heilung geschehen.
    Alles Liebe für dich!
    Ursula Brühwiler

  • #2

    Mirjam (Mittwoch, 05 Oktober 2022 11:14)

    Liebe Dinah-Ann,
    ein ganz wunderbarer Artikel. Gerade weil Angst so wenig griffig ist, tut es so gut die Hintergründe zu wissen.

    Liebe Grüße
    Mirjam

  • #3

    Iris Müller (Dienstag, 29 November 2022 10:01)

    Danke liebe Dinah-Ann für diese wertvollen Infos.Der Ursprung ist wirklich wichtig.Gut zu wissen, dass es bei dir Unterstützung gibt�

    Liebe Grüße Iris

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