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Beziehungskrise überwinden

Beziehungskrise überwinden

Beziehungskrise: Eine Chance für die Liebe

Fehlende Wertschätzung

„Mann und Frau passen einfach nicht zusammen“. So oder so ähnlich hat wohl jede die in einer Partnerschaft lebt, schon einmal gedacht. Häufig höre ich von Klient*innen Sätze wie:

  • Mir fehlt die Wertschätzung
  • Ich fühle mich nicht gesehen
  • Ich fühle mich abgelehnt

So oder so ähnlich geht es wohl vielen Menschen, Männern wie Frauen, die in einer Partnerschaft leben. Die äußeren Umstände scheinen passend zu sein und trotzdem will keine Entspannung in der Beziehung eintreten.

 

Manche Paare entfernen sich mit der Zeit immer weiter voneinander. Das Gefühl, nicht das zu bekommen, was sie brauchen, wird immer mächtiger. Das Zusammensein immer unerträglicher. Im Bett läuft nichts mehr und auch sonst lässt der Körperkontakt sehr zu wünschen übrig.


Am langen Arm verhungert

Wir fühlen uns förmlich am langen Arm verhungert und zermatern uns des Nachts den Kopf darüber, wie wir den anderen nur ändern könnten. WIR machen schließlich alles richtig. An uns kann es nicht liegen. Der andere gibt uns einfach nicht das, was wir BRAUCHEN.

Brauchen ist nicht Lieben

Ich kann ohne Dich nicht leben!

Wenn wir mit unserer Partner*in zusammen sind und das Gefühl haben, wir brauchen sie, dann sollten wir hellhörig werden. Wenn ich mir vorstelle, meine Partner*in wird mich verlassen und ich rufe ihr hinterher „aber ich brauche Dich doch“, dann ist es höchste Zeit, mich mit meinen Themen auseinanderzusetzen. Und zwar mit meinen schmerzhaften, tiefen, traumatischen, verletzenden Kindheitsthemen.

Der Ruf nach Mutter oder Vater

Denn hier steht das kleine Kind und ruft verzweifelt „aber ich brauche Dich doch“. Und es ruft nach seiner Mutter oder seinem Vater. Es BRAUCHT seine Mutter oder seinen Vater! Ja wirklich. Kinder BRAUCHEN!!! Und sie dürfen BRAUCHEN! Eine andere Aufgabe haben sie nicht. Sie dürfen einfach BRAUCHEN!!!

 

Und wir stehen da, rufen unserer Partner*in hinterher „aber ich brauche Dich doch“ und bemerken dabei nicht, dass wir gar nicht IHN/SIE brauchen.


Mangel erkennen

Das innere Kind

Sobald wir beginnen, mit unserem inneren Kind in Kontakt zu gehen und in den tief sitzenden Schmerz hineinfühlen, wird schnell klar, was wir BRAUCHEN: Zuwendung, unbedingte Liebe, Stolz, Mut, Durchsetzungsvermögen, Bestätigung, ein offenes Ohr, ein offenes Herz, Unterstützung, Zuspruch, Sicherheit usw.

Die Qualität der Bedürfnisse

Dabei unterscheiben sich die Qualitäten der Bedürfnisse deutlich. Stolz und Mut z. B. sind zutiefst väterliche Qualitäten. Unbedingte Liebe und ein offenes Herz sind hingegen sehr mütterliche.

 

Indem wir erkennen, wonach wir uns wirklich sehnen, erkennen wir, was wir von unserer Partner*in absaugen wollen, wodurch die Beziehungskrise entstanden ist. Ich sehne mich nach mütterlicher, unbedingter Liebe. Ich sehne mich nach väterlichem Stolz und Mut. 

Verletzungen durch Bezugspersonen

Misshandlung

Wenn unsere Mutter oder unser Vater uns in der Kindheit schwere körperliche und/oder emotionale Verletzungen zugefügt haben, dann lehnen wir alles Väterliche oder alles Mütterliche vielleicht sogar ganz und gar ab.

 

Wir haben nie ein funktionales Verhältnis zu diesem Elternteil kennengelernt. Unser System hat abgespeichert: Väter sind schlecht. Mütter sind schlecht. Es entstehen höchst dysfunktionale Muster. Dies endet im Erwachsenenalter meist in Beziehungskrisen. 


Ablehnung eigener innerer Anteile

Beziehungskrise = Mangel

Daraus resultiert, dass wir unsere eigenen inneren, weiblichen oder männlichen Anteile ablehnen. Jeder gesunde Mensch lebt seine weiblichen und männlichen Anteile. Er ist liebevoll, mutig, stolz usw. Wenn wir einen Anteil also ablehnen, entstehen blinde Flecken, Lücken, ein Gefühl von Mangel.

 

Und diese Lücken soll bitte unsere Partner*in füllen! Oder vielleicht erwarten wir dies sogar von unseren eigenen Kindern. Da können wir lange warten und geleiten unter Umständen sogar unsere Kinder in die spätere Beziehungskrise! Diese Art von Beziehung wird also nicht funktionieren.

Abwehrmechanismen durchschauen

Projektion

Wenn wir erkennen, dass wir ein Thema mit unserer Mutter und/oder unserem Vater haben, brauchen wir dieses nicht mehr auf unseren Partner projizieren und somit vermeiden, uns mit unserem Thema auseinander zu setzen. Innerpsychische Prozesse auf einen anderen Menschen zu übertragen, ist immer eine Abwehrreaktion.

 

Wir wollen unseren Schmerz abwehren. Und je stärker wir versuchen, unseren Schmerz abzuwehren, desto stärker zeigt er sich. Wir zerfleischen uns selbst, wir beschimpfen uns innerlich. Wir sind im wahrsten Wortsinn schmerzverzerrt. Wir sind eifersüchtig. Wir sind nicht mehr wir selbst. Manchmal so schlimm, dass suizidale Gedanken auftauchen. Der Schmerz ist nicht auszuhalten.

 

Und noch immer hoffen wir, dass unsere Partner*in diesen Schmerz stillen möge

Drama

Immer wieder fliegen die Fetzen

Vergegenwärtigen wir uns nun einmal, dass in vielen Beziehungen nicht nur eine Partner*in von kindlichem, unerfülltem Sehnen und Schmerz geleitet ist, sondern vielleicht sogar beide. Puh – reichlich Stoff für Drama! Die Fetzen fliegen. Es gibt Streit ohne Ende.

Immer wieder die große Versöhnung

Danach das große Versöhnungsdrama – eine kurze, trügerische Pseudo-Erfüllung der Bedürfnisse – und dann wieder Streit und so weiter. Diesen destruktiven Teufelskreis hält keine lange aus ohne nicht ernsthaft krank zu werden.


Die Wendung

Ich liebe mich!

Wenn wir unsere dysfunktionalen Muster erkennen und lernen, uns selbst zu bemuttern und zu bevatern, dann BRAUCHEN wir unsere Partner*in nicht mehr. Wir erwarten nicht mehr. Wir sind nicht mehr ent-täuscht. Wir sind uns selbst genug. Wir können unseren Mangel selbst beheben:

  • Ich bin stolz auf mich
  • Ich schaffe alles, was ich möchte
  • Ich bin liebenswert
  • Ich kenne meine Grenzen
  • Ich vertraue meiner Intuition
  • Ich akzeptiere Leid
  • Ich lebe in Fülle

Das sind nur einige Kraftsätze, die hierfür dienlich sein können.

 

Wenn wir lernen, JEDEN unserer inneren Anteile zu lieben, können wir langsam erkennen, dass unsere Partner*in uns auch wirklich liebt. Das kann manchmal ein langer Prozess sein. Und die innere Arbeit lohnt sich! Die Beziehungskrise kann überwunden werden. Das ewige Drama darf sich in Vertrauen und echte Liebe wandeln.

Partner auf Augenhöhe

Bitte kein Kind im Bett

Wenn beide Partner*innen es schaffen, ihre inneren, verletzten Kinder gut zu bemuttern und zu bevatern, kann es auch im Bett wieder liebevoll und entspannt werden. Ein Mann der an der Brust der Partnerin liegt, wie ein Baby. Eine Frau die sich wie ein kleines, bedürftiges Mädchen im Bett immer nur nach den Wünschen des Mannes richtet. Das ist ungesund. Die Lust bleibt aus. Wir spüren, wenn die Partner*in nicht uns meint, sondern ihre Eltern. Und das mögen wir NICHT!

Hinschauen und arbeiten

Aufstieg von der Beziehungskrise in eine neue Beziehungsebene

Wenn Sie sich in diesem Dilemma wiedererkennen, dann zögern Sie nicht, einmal genauer hinzuschauen. Es kann sich lohnen und ihre scheinbar kaputte Beziehung auf eine neue Ebene emporheben. Und wenn die Partner*in nicht mitzieht, dann können Sie zumindest sich selbst auf eine neue Bewusstseinsebene heben und schauen, was sie von dort aus sehen und entdecken können. Vielleicht haben Sie dann auch wieder einen Blick auf Ihre ganz eigenen, unter der Beziehungskrise verschütt gegangenen Träume, Ihre Wünsche, Ihre Visionen und Ihre Ziele.

 

Haben Sie Lust bekommen, tief zu tauchen und dysfunktionale Muster aufzulösen? Wenn Sie ein klares JA spüren und dabei professionell und mit viel Fingerspitzengefühl begleitet werden möchten, vereinbaren Sie gern ein kostenloses Kennlerngespräch hier.

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Kommentare: 6
  • #1

    Sandra (Dienstag, 15 Dezember 2020 09:35)

    WOW Dinah-Ann, dass ist ein fantastischer Beitrag. Da ist so viel drin. Ich bin begeistert. �

  • #2

    Sabine Kakizaki (Dienstag, 15 Dezember 2020 09:54)

    Liebe Dinah, vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag-super ausführlich und umfassend erklärt!

    So können wir unsere Beziehung auch nutzen, um Kindheitsthemen zu heilen...

  • #3

    Claudia Hirrle (Dienstag, 15 Dezember 2020 10:14)

    Liebe Dinah, ja, die Beziehung ist das größte Feld für Wachstum und Heilung. Das habe ich selbst auch schon tief erfahren und jede Krise, die ich gemeinsam mit meinem Mann gemeistert habe, hat uns unsere Liebe tiefer spüren lassen. Ich finde es gerade in dieser Zeit so wichtig, dass Männer und Frauen erkennen, dass sie aneinander wachsen können und eine Beziehungskrise nicht gleich Trennung bedeuten muss - manchmal darf auch erkannt werden: Wenn ich bleibe, kann ich weitergehen. In mein Leben, das ich mir wirklich wünsche mit meinem Partner zusammen. Was nicht bedeutet, dass Trennung immer schlimm wäre - manchmal braucht es auch diesen Schritt . Ich glaube jedoch, dass er oft zu schnell vollzogen wird, ohne Deinen oben beschriebenen Schritte wenigstens einmal versucht zu haben. Danke für Deine Arbeit, so wertvoll!!

  • #4

    Katharina (Dienstag, 15 Dezember 2020 20:25)

    Sehr aufschlußreicher Artikel. Am Besten gefällt mir der Hinweis: Was würdest du nachrufen, wenn der Partner geht!
    Ja, in der Tat, brauchen ist nicht lieben! Das ist ein guter Gedanke!

  • #5

    Mirko Laux (Samstag, 09 Januar 2021 05:15)

    Danke für die wahren und inspirierenden Worte. Ein besonderes Lob verdient die Bildauswahl.

  • #6

    Silvia (Samstag, 09 Januar 2021 12:28)

    Wunderbar du Gute�