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Warten bis der Arzt kommt?

Ich habe Schmerzen und mache einen Termin beim Orthopäden. In drei Monaten kann ich kommen. In mir steigt Verzweiflung auf. Ich rufe ja schließlich wegen Schmerzen an. Nicht so leichte Schmerzen, die man mit einer Aspirin in den Griff bekommt. Nein, richtige Schmerzen. In mir droht neben Verzweiflung auch noch Wut aufzusteigen. Das geht ganz schnell bei uns Menschen. Wenn etwas nicht so läuft, wie wir es gern hätten oder erwartet haben, schwillt uns ganz schnell der Kamm. Das Herz fängt an zu rasen, der Magen krampft
sich zusammen. Die Faust ballt sich sozusagen in der Hosentasche. Der Körper spannt sich an und wird geflutet von jeder Menge negativer Energie. Und – oh Wunder – die Schmerzen werden stärker.


„Das ist aber ein ganz doofer Kreislauf!“, denke ich mir, lockere meine innere Faust, atme ein paarmal tief durch und denke an andere Gegenden auf diesem schönen Erdball, in denen es gar keine Ärzte gibt oder man für eine Facharztbehandlung so viel Geld bezahlt, dass man sich seinen schmerzenden Zahn lieber selber zieht mit Schwiegervaters Zange. Wo Mutter und Kind bei einer Geburt sterben, weil nicht ausreichend medizinische Versorgung vorhanden ist…


Und plötzlich denke ich: „Es geht uns doch eigentlich sehr gut hier in unserem kuscheligen Deutschland, wo es ausreichend Fachärzte gibt, keine giftigen Spinnen, Tsunamis oder Tornados. Wo alle Kinder zur Schule gehen dürfen und wir demokratisch wählen können. Ich werde schon nicht sterben an meinen Schmerzen. Und wenn ich doch kurz davor bin, rufe ich die 112. So einfach ist das hier bei uns!

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