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Der Trecker vor mir

Was will mir das Leben sagen, wenn 30 km weit ohne Überholmöglichkeit ein Trecker vor mir fährt und ich pünktlich mein Kind aus der Schule abholen muss?

 

Ich hatte gestern 30 km lang Zeit, mir darüber meine Gedanken zu machen. Mir wollte nicht recht einfallen, was meine Lernaufgabe in dieser Geduldsprobe war. Ich fuhr und fuhr und fuhr und kurz vor meinem Ziel, der Schule, stand plötzlich an der Ampel neben mir ein Auto mit einem Menschen an Bord, mit dem ich ein großes, sagen wir mal, unschönes, Thema habe. Dieses hatte ich in den vergangen Monaten mehr oder weniger erfolgreich verdrängt. So wie wir Menschen das gern einmal tun, wenn etwas weh tut.

 

Zuerst brachte ich diese "Begegnung" nicht mit dem lahmen Trecker in Verbindung. Aber einige Zeit später dämmerte mir, dass dieser Trecker wohl vor mir fuhr, damit ich dann genau pünktlich für diese Begegnung an dieser Ampel stehen würde.

 

Abends nahm ich mir dann Zeit für mich, diesen Menschen, unser Thema und den Trecker. Ich ging mit mir ins Gespräch. Horchte genau in mein Herz hinein, was es braucht, um zu heilen. Allein dieser Prozess war so wohltuend, dass ich dem Bauern und seinem Trecker nun dankbar bin. Er hat mich dazu gebracht, mich noch einmal diesem "offenen Thema ", dieser offenen "Gestalt" (wie wir Gestalttherapeuten sagen) zu stellen.

 

Und wieder einmal mehr wurde ich darin bestätigt, dass alles im Leben seinen Sinn hat. Wenn wir den Dingen einen Sinn geben. Das macht handlungsfähig. Das macht selbstbestimmt. Ich bestimme, was ich fühle und denke. Ich bin der Herr in meinem Oberstübchen und das tut so gut.

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